Lange Zeit wurde vermutet, dass die Kunst des Tätowierens aus Südwestasien stammt und von dort durch Seeleute und Händler in den Rest der Welt verbreitet wurde. Neuere Funde aus Steinzeit und Eisenzeit lassen jedoch erkennen, dass wohl viele Völker unabhängig voneinander diese Technik entdeckt haben. Schon bei der Mumie Ötzi wurden einige Zeichen entdeckt, die er zu Lebzeiten unter die Haut tätowieren ließ.
So zahlreich wie die Völker, die das Tattoo für sich entdeckt haben, sind auch die Gründe für diese Körperbemalung. Vielfach handelte es sich um religiöse Symbole, aber auch die Kennzeichnung eines Menschen war durch Tätowierungen durchaus üblich. In Japan zum Beispiel wurden bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts Kriminelle durch Tätowierungen gezeichnet und somit aus der ehrlichen Gesellschaft ausgeschlossen. Dieses Stigma haftet Tätowierten in Japan zum Teil bis heute an. Erst langsam wird die Körperbemalung hier von den Ursprüngen in der kriminellen Szene gelöst.
Wie lange die Kunst des Tätowierens im Abendland bekannt ist, erkennt man zum Beispiel daran, dass auch das alte Testament zu dieser Technik eine Aussage macht. Die geätzte Schrift, wie das Tätowieren genannt wurde, ist nach dem dritten Buch Mose nicht gestattet. Doch viele frühchristliche Sekten ignorierten dieses Verbot. Auch heute noch ist es in vielen Gegenden üblich, dass Christen sich mit religiösen Symbolen tätowieren lassen, um sich von den Muslimen, die das Verbot strenger beachten, abzuheben.
In Mitteleuropa war die Tätowierung lange Zeit nur von den Seeleuten bekannt, die die Technik in Asien wiederentdeckten, nachdem sie in Europa lange Zeit vergessen war. Die Beliebtheit der Tattoos verbreitete sich dadurch vor allem in den Hafenbezirken europäischer Städte und damit eher in kriminellen Milieus. Lange Zeit war daher auch in Europa die Tätowierung mit der kriminellen Szene eng verknüpft.
Im Zwanzigsten Jahrhundert wurde die Tätowierung mehr und mehr zu einem reinen Schmuck. In manchen Musikszenen wurden die Symbole zwar noch als Zeichen des Protestes eingesetzt, doch spätestens in den neunziger Jahren erreichte das Tattoo den Mainstream. Henna-Tattoos und sogenannte Bio-Tattoos sollten diese Entwicklung noch vorantreiben, da sie versprachen, eine Tätowierung auch als Modeaccessoire vorübergehend tragen zu können. Doch bei den Bio-Tattoos kann ein vollständiges Verblassen der Zeichnung nicht garantiert werden. Kein Tätowierer kann so genau stechen, dass tatsächlich die Hautschicht getroffen wird, die nach drei bis sieben Jahren erneuert wird.




