das Tattoo- und Piercing Verzeichnis

Das Piercing in der westlichen Kultur

Das Piercing in der westlichen Kultur

Schönheitsideale wechseln ständig. Manche werden wiederbelebt, andere bleiben für immer Vergangenheit.
Körperbemalung und Körperschmuck, neuzeitlich Tattoo und Piercing genannt, sind – nach einer langen Pause – wieder in der westlichen Kultur-Szene angelangt.

Die Jahrtausende alte Tradition, den Körper mit durch die Haut gestochenen Gegenständen aus Holz, Knochen, Federkielen, Gold u.a. zu schmücken, diente anfänglich der Stammeskennzeichnung, rituellen Zwecken, war Statussymbol.
Zumindest dem letzteren Zweck diente der Körperschmuck auch im antiken, westlichen Kulturkreis. Bei den Germanen, Galliern, Kelten, Sachsen und anderen europäischen Vorfahren schmückten sich höhergestellte Männer und Frauen mit aufwändig gearbeiteten Ohrgehängen.
Die männlichen Römer trugen Brustwarzen-Piercings die ihren Mut, ihre Stärke bezeugten. Auch Julius Caesar identifizierte sich dadurch mit seinen Soldaten. Bei ihren versklavten Gefangenen hingegen setzten sie Piercings zur Kennzeichnung und zur Verhinderung von sexuellen Kontakten ein. Besonders ihre wertvollen Gladiatoren erhielten Genital-Piercings zum kontrollierten Sex gegen Deckprämie und als Kampfschutz.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches verlieren sich die Hinweise auf Körperschmuck-Praktiken im Westen. Nur das Tragen von Ohrschmuck war noch populär, wurde aber immer mehr eine Frauensache und blieb dies bis Anfang der 1970er Jahre.

Ausnahmen: die Seeleute von Columbus, da Gama & Co und die freiheitsliebenden Piraten die das Ohr-Piercing beibehielten und die Zunftwanderer, die auf der „Walz“ einen Ohrläppchen-Ring als „Notgroschen“ trugen. Vornehme Herren benutzten im 18. und 19. Jahrhundert einen „Dress Ring“ der, so wurde argumentiert, für einen tadellosen, nicht ausgebeulten Sitz ihrer Beinkleidung sorgte. Dieser entspricht dem heute sehr beliebten Intim-Piercing „Prinz Albert/Hafada Ring“, nach Königin Viktorias Prinzgemahl Albert von Coburg benannt.

Die neuzeitliche Wiederbelebung der uralten Piercing-Tradition begann in den 1960iger Jahren. Hippies brachten von ihren Indien-Trips auch Ohr- und Nasenpiercings mit. Der Amerikaner Doug Malloy machte Brust-Piercings in der kalifornischen Homosexuellen- und Fetisch/BDSM-Szene salonfähig. 1970 liefen die ersten „Punks“, provokativ mit Sicherheitsnadeln gepierct, durch London. Bis Ende der 1970iger Jahre blieben Body-Piercings diesen Randgruppen – allesamt Außenseiter – vorbehalten. Danach entwickelt sich das Piercen, unterstützt durch den neuen, sportlich motivierten Körperkult und durch prominente Piercingträger wie Dennis Rodman, Lenny Kravitz, Tommy Lee u. a., die per Musikvideos, Filmen und Events einen Piercing-Boom unter den Jugendlichen auslösten, zum Mainstream in den 1990iger Jahren.
Mit dem Millennium (Jahr 2000) etablierte sich das wiederentdeckte Piercing dann endgültig wieder in der westlichen Kultur und Gesellschaft.

Gesichts-, Körper- oder Intim-Piercings, traditionell oder trendy, die richtige Wahl ist getroffen, wenn das Piercing der Einzigartigkeit seines Trägers entspricht und dieser sich in seiner gepiercten, geschmückten Haut wohlfühlt.